ebay in Bamako

Blick auf Bamako vom Regierungsviertel aus

In Bamako gibt es viele ausländische ExpertInnen und es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, zur Zeit wohl eher Gehen. Auch einige KollegInnen von mir verlassen das Land nun endgültig und haben 2 Wochen Zeit, ihr Hab und Gut zu veräußern.
Als erstes machen wir mal in meinem (künftigen) Haus (jaja, ich bin schon mal wieder umgezogen …) einen Yard Sale. Es gibt ja nicht viele Gründe hier zum feiern, so nutzen wir diese Gelegenheit mal zusammen zu kommen, Brochetten zu essen und dabei den Hausrat ausreisender KollegInnen zu besichtigen.

Ich selbst möchte natürlich hier gar nichts „investieren“, weil ich ja meinen Haushalt in Bandiagara habe, aber einen Kühlschrank, Herd und eine Matratze brauche ich letztlich doch (das Haus ist zum Glück teil möbliert, so dass Betten, Tische und Einbauschränke ausreichend vorhanden sind) – solche Sachen suche ich, aber halt nicht alles neu, wie es hier verkauft werden muss. So fädele ich interessante Deals ein und es gelingt mir, einen Campingkocher mit 3 Flammen zu ergattern und auch einige Tassen und Kleinkram für die Küche bleiben übrig und sind für kleines Geld zu haben. Auch ein Kühlschrank, der schon mal die Reise nach Bandiagara und zurück hinter sich hat, wechselt für kleines Geld zu mir.

Am nächsten Tag ist „porte ouverte“ bei der anderen Kollegin, hier wohnten auch 3 Kinder, also gibt es eine Menge Sachen – die Familie war fast 2 Jahre in Mali, dementsprechend ist die Verkaufsliste lang.

„Mailing mali“ ein Service für genau solche Fälle ist das, was in Deutschland e-bay ist, nur dass nicht im Netz, sondern vor Ort gehandelt wird. Man setzt die Verkaufsliste mit Tel. Nummer rein, macht Preisvorschläge oder einen Termin für yard-sale – und los geht’s.

Zunächst mal rufen gerne Leute an, um erstmal zu fragen, ob das Gewünschte noch da ist, wenn ja, geht es darum, den Weg zum Verkaufsort zu beschreiben. Dabei ist entscheidend, dass man in etwa die gleiche Wahrnehmung markanter Punkte hat (Straßennamen, Schilder etc. gibt es in dem Sinne nicht). Meist ruf die Kundschaft dann an, wenn sie sich ganz in der Nähe glaubt, dann stürzt man auf die Straße und schaut, ob da jemand rumirrt, der dann oft schon von den Nachbarn auf den rechten Weg gebracht wurde. Manchmal muss man aber auch das Auto anwerfen und den nächsten markanten Punkt aufsuchen, auf den man sich einigen konnte.

Dann wird kritisch beäugt, untersucht, manchmal spontan entschieden, zuweilen gezögert – Ja, also eigentlich müsste mein Mann das noch sehen … wir kommen dann noch mal vorbei … aber rufen Sie bitte vorher an!! Samstag abend scheint das sightseeing in europäischen Häusern besonders beliebt zu sein – bis 23.00 h kamen noch Interessierte vorbei – tatsächlich werden wir noch einen Laptop los und fast den Fernseher, aber der soll erst getestet werden und dafür braucht man eine Verlängerungsschnur und die ist schon verkauft ….

Dann wird hart verhandelt – manchmal geht eine/r auch unverrichteter Dinge wieder, um nach 2 Tagen noch mal anzurufen, ob der Preis jetzt vielleicht? – Ach, jetzt doch verkauft, na Schade … wird man sich einig, stellen sich häufig neue Probleme – wie könnte der Kühlschrank transportiert werden? Kann am Sonntag noch mal jemand vorbei kommen, die Sachen abholen? Reicht erstmal eine Anzahlung?

Sehr eindrücklich die Geschichte mit der Küchenreibe: Es war eine einfache Plastikreibe mit Metallöcherung. Meine Kollegin versuchte wirklich alles, um das am Telefon zu erklären. Aber die Klientin ließ es sich nicht nehmen, vorbei zu kommen – die Enttäuschung war heftig, aber die Reibe ist verkauft.

Der Verkauf von Autos gestaltet sich ähnlich – Werte wie „aus 2. Hand, erst 5 Jahre alt, unfallfrei, regelmäßige Inspektionen“ spielen wahrhaftig keine Rolle. Wichtig sind: Klimaanlage, Alter (da die Verzollung darauf basiert) und Radio/Stereoanlage, in etwa in dieser Reihenfolge. Ist das nicht klar, drückt das den Preis.

Aber wenn es läuft, wie bei einer Kollegin, die in der Dämmerung auf offener Straße gestoppt wurde, mit Hinweis auf ihr „a vendre“ Schild im Auto gebeten wurde, die Herren doch mal grade eine Runde fahren zu lassen …. Man verabredete sich für den nächsten Tag zur Probefahrt und Checkup in einer Werkstatt – nach 3 Tagen war man sich handelseinig und bei der Übergabe stellt sich heraus, dass der „wahre Kunde“ der ehemalige malische Außenminister ist, der den Wagen braucht, damit seine Frau „aufs Feld“ fahren kann … während der Wagen meiner anderen Kollegin nunmehr vom Chefredakteur von „jeunne afrique“ gefahren wird … der versichert, dass sich für 300 € eine Klimaanlage nachrüsten lässt.

Am Schluss, kurz vor dem Abflug, wird dann doch der Rest an die Nachbarschaft verschenkt – ich z.B. wollte nichts von niemandem bei mir einlagern, bin ich doch froh über meinen übersichtlichen Hausstand, mit dem ich jederzeit ins Nachbarland das Weite suchen kann bzw. dessen Umfang unseren Mercedes nicht überschreitet, damit im Ernstfall alles nach Bandiagara geschickt werden kann, während ich womöglich mal wieder in den Flieger nach Europa steigen muss.

So ist auch die zweite Jahreshälfte bei mir gekennzeichnet von Ausräumen, -sortieren, umziehen, neu einrichten … heute habe ich dann bei meiner neuen Organisation im Büro angefangen, auch hier erst mal wieder Material sichten, umräumen … 2013 kann nur besser werden!

 

 

 

 

 

 

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