… das wirkliche Leben

In den Geberkreisen in Bamako, rsp. in deutschen Zusammenhängen, wird die schwierige Ernährungslage im Land offenbar nur am Rande wahrgenommen. Dabei spielen womöglich der Stolz der Malier, die niemals zugeben würden, dass ihre Töpfe leer sind (das impliziert nämlich das Totalversagen des Familienoberhauptes) mit den exklusiven Lebensbedingungen der in Bamako ansässigen „Ex-pats“ sich gegenseitig in die Hände. Für uns (Weiße) ist in Bamako alles erhältlich und erschwinglich, also wo ist die Versorgungskrise?
Sie ist dort, wo Menschen seit Monaten kein Einkommen mehr haben, weil sie im Tourismus, im Handel, in den kleinen Manufakturen, die jetzt ihre Kundschaft verloren haben, tätig waren. Davon abgesehen, finden lokale Märkte, die ja dringend auf Aufträge angewiesen sind, nur noch selten Berücksichtigung. Hilfslieferungen, Einrichtungen und Einsatzmaterial wird über internationale Ausschreibungen beschafft – also keine Chance für den lokalen Markt.
Auch viele der „guten Geister“ die die Entsandten von Hilfsorganisationen, Geberstrukturen und Botschaften umsorgt haben, haben keinen „Patron“ mehr, denn viele Ex-Pats wurden zurückbeordert, Selbst die oft sehr gut qualifizierten MitarbeiterInnen von Nichtregierungsorganisationen und Hilfseinrichtungen sind in hoher Zahl arbeitslos. Bildungszentren wurden geschlossen, Gesundheitsprojekte herunter gefahren und die Projekte auf Eis gelegt – die Entwicklungshilfe vieler Länder suspendiert.
Dies hat fatale Folgen für die Diskussion im Land, erste Stimmen werden hörbar, die behaupten, im Norden sei es – trotz Charia – besser, es herrsche Ruhe und Ordnung und die Bevölkerung werde durch die Islamisten versorgt. Ein typischer Propagandaschachzug von dort: Ein Interview mit MUJAO (eine der Besatzertruppen), die behaupten, es ginge den Leuten viel besser als vor der Besetzung, da kein Strom und Wasser bezahlt werden müsse und auch der Handel mit Algerien und Mauretanien prima liefe.
In den Grenzregionen leiden alle unter dem Flüchtlingsstrom, die Vorsorgung der Menschen läuft schleppend und oftmals offenbar ohne Beteiligung der lokalen Autoritäten. Das führt zu Ungerechtigkeiten oder auch nur zum Eindruck davon und dafür ist man hier extrem sensibel. Denn auf den Listen der UN-Hilfslieferungen stehen nur die Menschen, die in Lagern sind, Familien, die ihrerseits Flüchtlinge aufnehmen, die sich aber nicht registrieren lassen (können), gehen leer aus. Inzwischen soll in dieser Hinsicht nachgebessert worden sein.

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