Politik …

Anfang September erfolgte (endlich?) die offizielle Anfrage Malis an die ECOWAS, ob es möglich sei, Truppen in den Norden zu entsenden, um die territoriale Integrität wieder herzustellen. Wie von Geisterhand, werden kurz danach die Waffen, die Mali noch zu ATT (Expräsident) Zeiten geordert hatte und die in den Häfen der Nachbarlänger blockiert waren, frei gegeben.
Ende September findet die UNO Vollversammlung in New York statt, vorgeschaltet war eine Sonderkonferenz zu Situation im Sahel. Unter Leitung des AA (Auswärtiges Amt), das derzeit Präsident des Sicherheitsrates ist, wurde diskutiert, wie man der terroristischen Bedrohung in der Region Herr werden könne.
Der malische Premierminister Diarra reiste nach New York, um das Anliegen Malis auch dort der internationalen Gemeinschaft nahe zu bringen und um Unterstützung zu bitten. Der franz. Präsident Hollande sagt organisatorische und ideelle Unterstützung zu, mehr sei aber aus der EU nicht zu erwarten. Die USA geben zu bedenken, genau wie Ban Ki Moon (UNO-Präsident), dass ein Krieg hohe Risiken birgt und dass Mali vor einer internationalen Intervention bestimmte Bedingungen erfüllen müsse, so z.B. die Vorbereitung demokratischer Wahlen. (Dies ist aus unserer Sicht derzeit unmöglich)
Anfang Oktober gab es eine weitere Sonderkonferenz zum Sahel, das Ergebnis derzeit noch unbekannt.
Amerikaner lassen den Drohneneinsatz im Norden von Mali technisch und juristisch Prüfen.
Der islamische Dachverband Malis (HCI) hat eine Stellungnahme zur Scharia erarbeitet und fordert die Besatzer zu Verhandlungen darüber auf. Nach Auffassung des HCI sieht der Koran Verstümmelungen bei Diebstählen und sonstige öffentlichen Züchtigungen nicht vor, der Rest der Scharia Einführung sei verhandelbar. Es sei dem HCI in 2011 auch ohne Waffengewalt gelungen, die Code Civil in Mali zu gestalten, wie es weitestgehend islamischen Vorstellungen entspricht. Ein Sprecher von Mujao erklärt sich zu Verhandlungen mit den „islamischen Brüdern“ im Süden von Mali bereit, dafür müssten sie jedoch nach „AZAOUAD“ kommen (der im Norden ausgerufene Staat).
Eine Versammlung der Zivilgesellschaft Anfang Oktober offenbart die Spaltung in der malischen Bevölkerung. Während die Delegierten aus dem Norden dringend Hilfe und Unterstützung anfordern, wehren sich andere Kreise gegen eine externe Intervention und wieder andere wollen diskutieren, ob nicht die Scharia die bessere Lösung sei.
Die EU berät, ob sie Militärexperten entsendet, um die malische Armee zu schulen (Schritt 1 der Szenarien in der Broschüre „Sicherheit oder Aufrüstung – die EU Kooperation in Afrika, Hrsg. Sabine Lösung, MdEP, Brüssel, S. 14).
Mir kommt es vor, als wolle man nochmal probieren, was schon z.B. im Kongo, in Somalia und in Afganistan nicht geklappt hat.
Armes Mali!

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