Wie es weiter ging

Der (offizielle) Krieg in Mali wurde am 16.01.2013 „eröffnet „… ich bin bei Jutta in Bamako und wir haben uns mit Google Earth die Gegend in der Region Mopti angeschaut, in der die ersten Kämpfe stattfinden – erschreckend nah an Bandiagara und Sevaré, wie wir feststellen müssen.

Am 19.01.2013 bin ich hoffnungsfroh mit meiner Kollegin zum Fitness Studio in der Nähe meines Hauses in Bamako Badalabougou gefahren – wir hatten uns verabredet, um allen Widrigkeiten zum Trotz eine Probestunde zu machen und uns vielleicht für ein Monatsabo anzumelden – da ereilt uns der Anruf der GIZ, dass wir umgehend das Land verlassen müssen!
Also ab nach Hause, wo mich eine e-mail von der GIZ Burkina Faso erwartet: Meine Bewerbung vom Oktober 2012 hat Erfolg!

Ich denke mir, dass das ein gutes Zeichen ist, rufe gleich Hamidou an, um ihm die schlechte und die gute Nachricht zu sagen … und dann gehts wieder los mit dem Versuch, meinen Hausrat aufzuteilen. Ich hatte ja bewusst nicht viel gekauft, aber der Kühlschrank und auch etliche (dann doch schon wieder) Kleinmöbel passen einfach nicht in den Geländewagen, den ich im Dezember einem Kollegen von der UNO abgekauft habe – er kann nicht in Bamako bleiben, weil er Familie hat, von der er dann getrennt leben müsste.

Ich hatte die ganze Zeit die Vision, dass ich die Reste meines Hausrates in dieses Auto packe und nach Ouagadougou fahre – es ist nicht ganz so gekommen, ich bin erst mal nach Europa geflogen – aber letztlich, vier Monate später, kam Sory, der den Wagen solange gehütet hatte, damit aus Bamako in Ouaga an.

Abschied aus Mali

Das war nun schon auch hart. Hamidou setzt sich für 24 Stunden ins Auto (12 hin – 12 zurück), um noch einen Tag mit mir zu verbringen, alles wieder einpacken und zum Glück ist auch gerade Ruth bei mir, die mir sehr geholfen hat, über diesen erneuten Umzug (der 5. seit Ende 2011) hinwegzukommen.
Irgendwie hatten wirs ja doch auch geahnt, am Wochenende vorher gibt es einige private Treffen mit KollegInnen … ich war noch beim Friseur, grad als die Farbe für die roten Straehnchen aufgebracht ist, ruft Freundin Susanne aus Berlin an und wir deklinieren die Weltlage durch – der Friseur steht daneben und zeigt auf die Uhr und meinen Kopf – zu spät, ich sehe aus wie Pumuckel … nicht nur deshalb schlage ich die Einladung zur Talk-show bei Maischberger ab – als ich die Liste der anderen Diskutanten bekomme, auch an besagtem Freitag, sehe ich, dass auch Dirk Niebel dabei ist … Mit dem obersten Chef aufs Podium, da brauchte mir die GIZ gar nicht mehr sagen, dass das Führungsaufgabe ist. Sie haben dann Christof Wackernagel eingeladen, sie wollten ja bewusst jemanden, der/die den malischen Alltag kennt. Da waren sie gut bedient, wie ich mir später in Deutschland auf youtube anschauen konnte.

„Transit“ in Deutschland

Und eh ichs mich verseh, find ich mich im Wintermärchen wieder, in Remscheid liegt hoher Schnee, es schneit immer weiter und ich habe ein starkes Gefühl von Unwirklichkeit und deja vu. Ich war ja erst am 30.12.12 nach Bamako zurück geflogen, denn ich hatte Weihnachten mit meiner Familie und FreundInnen in Deutschland verbracht.
Ich fahre nach Bonn, um die Modalitäten meines weiteren Einsatzes bei der GIZ zu klären – bin mir nicht ganz sicher, ob es eine gute Idee ist, zu meiner Gleichstellungsidentität zurück zu kehren. Der Vertrag läuft ab 01.03.2013, ich habe also noch den Februar um allerhand administratives zu klären, aber eigentlich mache ich gar nix. Ich besuche meine Eltern fast täglich (mein Vater hat sehr abgebaut im letzten Jahr), schiebe „Projekte“ wie Pflegedienst, Badumbau und Pflegestufe an, komme aber nicht wirklich weit damit, denn das braucht alles Zeit und die habe ich nicht – irgendwie. Eine meiner besten Freundinnen ist an Krebs erkrankt, von einer weiteren erfahre ich kurz vor der Ausreise ihre Diagnose, eine andere hat eine schwierige OP vor sich – alles ist unwirklich und ich bin wohl ziemlich unnahbar.

Ich telefoniere regelmäßig mit Hamidou, um mich zu vergewissern, dass es ihm und der malischen Familie gut geht und es in Bandiagara ruhig ist, alles weitere suche ich mir im Internet zusammen. Mali ist weltweit in den Schlagzeilen, aber leider nicht so, wie es sich das wünschen würde.

Später sollte mir klar werden, dass ich eigentlich in einer heftigen Depression steckte, tatsächlich hat mich 2012 unendlich viel Kraft gekostet.

Anfang März gehe ich für eine Woche nach Eschborn, es ist mir wichtig, ein neues Verhältnis zur GIZ zu gestalten – es ist definitiv nicht mehr der Entwicklungsdienst und ich möchte wissen, was es denn jetzt für eine Organisation ist, mit der ich nun nach Burkina Faso gehe. Es ist gerade Gender Woche und so kann ich an Veranstaltungen dazu teilnehmen und Gespräche mit KollegInnen führen, die z.B. auch langjährige GTZlerInnen sind. Wichtigste Erkenntnis: Auch für sie ist die Fusion nicht einfach! Mir hilft die Erfahrung mit der Fusion von Sozialamt und Arbeitsarbeit, ich weiß, dass wenn zwei (im Falle der GIZ gar drei: DED, GTZ, InWent) Organisationskulturen vereint werden sollen (und dabei aufeinander prallen), Reibungsverluste unvermeidlich sind und ich bin sicher, dass der Prozess ca. 10 Jahre dauern wird. Auf jeden Fall hat diese Erfahrung für mich etwas „versöhnliches“, es sind alles Menschen, die in ihrem professionellen Rahmen das Beste geben und so kommt doch langsam auch Freude auf die Reise nach Ouaga auf.
Am 18.03.2013 fliege ich nach Ouagadougou, meine Schwester bringt mich zum Flughafen, der Abschied von den Eltern ist nicht leicht, aber ich verspreche, so oft wie möglich nach Deutschland zu kommen.

Ein Jahr in Ouagadougou

Inzwischen bin ich seit einem Jahr in Ouagadougou. Es ist mir ganz gut gelungen, mein Versprechen zu halten – ca. alle 4 Monate war ich in Deutschland, um meine Familie dort zu besuchen. Besonders schön war es Weihnachten 2013, als Hamidou mit kommen konnte und wir alle Feiern gemeinsam erlebten.
Die Rückkehr zur Gleichstellung erweist sich als gute Wahl, ich bin sehr thematisch verankert und bekomme Einblick in alle Programme. Leitung und Kollegen arbeiten gut daran mit, die Genderstrategie zu entwickeln und umzusetzen – ist schließlich ein wichtiges Feld der GIZ Geschäftspolitik. Und ich lerne interessante neue Menschen kennen, neue Sitten und Gebräuche.

So liebt man es in Ouagadougou so ab 16.00 h Plastikstühle und Tische vors Haus zu stellen und mit Nachbarn, FreundInnen und überhaupt …. jedenfalls erst mal ein Feierabendbier zu trinken – sehr anders als in Mali.
Es gibt eine Fülle von Restaurants, Bars, kleinen Cafes, bonne femmes (Straßenverkauf von Reis & Sauce) und ich habe das große Glück, dass so ein nettes Maquis direkt an mein Haus grenzt. Wenn ich keine Lust/Zeit zum kochen habe, schaue ich „chez Lili“ rein – einen Teller Reis gibt es da immer – und für kleines Geld.

Eine Schneiderin habe ich auch gefunden, sie ist selbst etwas „üppig“ und ihr Team zaubert mir wunderhübsche Kleider, worüber sich (nicht nur) die Burkinabé freuen …

Einziger Wehrmutstropfen: Ich kann nach wie vor nicht Bandiagara, denn die Region Mopti ist noch immer „rote Zone“. Einige (deutsche) Bekannte, die inzwischen dort waren, berichten, dass alles ruhig ist, vielleicht sollte ich mal ans AA schreiben, damit sie ihre Reisewarnung überprüfen? Da ist ja nur pauschal vom „Norden“ die Rede, die Region Mopti grenzt an den Norden, ist es aber nicht … es sind über 1000 km bis dahin ….
Wir werden sehen. Jedenfalls ist Bandiagara bei allen Lebensmittel- und sonstigen Hilfeleistungen erst mal hinten runter gefallen, das hat unsere alten Freunde motiviert, die association „partager sans frontiere“ (Teilen ohne Grenzen) zu gründen. Wer mehr dazu wissen will, schreibt mir bitte eine e-mail.

Ich habe mir fest vorgenommen, die website nun wieder zu beleben und werde nach und nach kleine und größere Geschichten aus meinem „afrikanischen Alltag“ veröffentlichen.

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