Eine Gemeinde versucht, ihre Bevölkerung im Krieg zu schützen

z.B. Bandiagara:

Bandiagara liegt in der Region Mopti und ist derzeit mehr oder weniger von Kampfgebieten „eingekreist“: Der Ort muss für sich selbst sorgen – Die Gegend ist in gewisser Weise durch ihre Topografie „geschützt“, nicht umsonst hatten sich die Dogon bereits im Mittelalter vor Islamisten (sic!) hier her geflüchtet.

Gleichwohl versuchen die Verantwortlichen dieser kleinen Kreisstadt alles zu tun, um ihre Bevölkerung zu sichern und die malische Armee und ihre Bündnispartner zu unterstützen.

In der letzten Woche wurden alle Quartierchefs (Bezirksvertreterinnen), BürgermeisterInnen, Ratsmitglieder und Sicherheitskräfte ins Kreishaus (Prefäktur) eingeladen, um die neuen Anordnungen aus Bamako und Mopti (Regionalverwaltung) bekannt zu machen und ihre Umsetzung sicher zu stellen. Diese Treffen finden nun wöchentlich und natürlich bei Bedarf auch täglich statt.

Ausnahmezustand

Es herrscht Ausnahmezustand, d.h. dass größere Menschenansammlungen zu vermeiden sind, denn in ihnen könnten sich verkleidete Nordbesatzer verstecken. Die größte Menschenansammlung in Bandiagara sind die beiden Markttage, wenn die Bauern der Umgebung 2 x wöchentlich ihre Produkte verkaufen. Sie sind derzeit untersagt. Die EinwohnerInnen schließen sich zusammen und schicken „Einkaufswagen“ los – „on demand“ wird im Dorf eingekauft und von Haus zu Haus geliefert. So erhalten die Bauern ihre Einnahmen und die Frauen ihre Zutaten. Wie lange so etwas aufrecht erhalten werden kann, wird von den Dieselvorräten und –preisen abhängen – und der Dauer der Gesamtkrise.

Suspekte Personen“

„Suspekte Personen“, also Fremde, die niemand kennt und die auch bei niemandem zu Besuch sind oder als Flüchtlinge aufgenommen worden sind, sollen, nachdem das im Gespräch mit Nachbarn und Verwandten geklärt ist, den Sicherheitskräften übergeben werden, die sie dann nach Mopti überstellen, für weitere Befragungen. Entscheidend ist hier die Vorrecherche, wenn es nämlich doch jemand ist, der zu einer Familie gehört, kann es später schwere Probleme nach sich ziehen.

Es gibt Hinweise, dass z.B. in Sevare mancher Soldat „alte Rechnungen“ begleichen wollte – zu Beginn wurde hier nach Django-Manier verfahren: erst schießen, dann fragen.

Das soll in Bandiagara gar nicht erst möglich sein, schließlich kennt man sich.

Ausgangssperre

Abends herrscht Ausgangssperre, für jeden Stadtteil wurden Gruppen junger Männer verantwortlich erklärt, die die Nachtwache übernehmen. Sie wurden trainiert, um ihnen zu vermitteln, wie sie im Ernstfall schnell die Sicherheitskräfte hinzu ziehen können.

Spendensammlung

 Über diese Sicherheitsvorkehrungen hinaus ist jede Familie, jede/r EinwohnerIn aufgerufen, für die malische Armee zu spenden, etwas, was mich persönlich irritiert, was aber als sehr selbstverständlich angesehen wird.

Ruhe bewahren

 Insgesamt wird vor allem betont, dass es ruhig ist, dass man die Ruhe (persönlich und als Gemeinde) bewahren will und dass das Wichtigste ist, dass möglichst niemand zu Schaden kommt.

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