Brief nach Deutschland

Guten Morgen,

dank vieler lieber mails, Anrufen via skype und internet bin ich gut auf dem Laufenden, welche Informationen derzeit in Deutschland zur Situation in Mali veröffentlicht werden.
Dazu möchte ich beisteuern:

– Es herrscht KEIN Bürgerkrieg, die Aggressoren im Norden sind in der Mehrzahl keine malischen BürgerInnen, sie kommen aus Lybien, Mauretanien, Algerien, Nigeria, Pakistan….

– Die Menschen gehen – zwar nervös und beunruhigt – aber gleichwohl auf eine Art gelassen, ihren Alltagsgeschäften nach. Es gab Kundgebungen hier in Bamako, vor allem, um endlich in die nationalen Beratungen zur Bewältigung der Krise einzusteigen. Diese sind wohl weitestgehnd friedlich verlaufen. Wie in europäischen Großstädten auch, habe ich in meinem Stadtteil davon gar nichts mit bekommen.

– Es wird viel diskutiert, aber es gibt keine Straßenkämpfe o.ä., denn die Menschen sind sich einig, dass die Aggression von den Nordbesatzern Al Quaida, MNLA,, MUJAO, Ansar Dine und anderen Banditen ausgeht und dass man zusammen halten muss, um dem zu begegnen. Es ist sehr ruhig in Bamako, der Ausnahmezustand wird offenbar respektiert.

– Bei einem Angriff, wie er am Mittwoch durch die Nordbesatzer erfolgt ist, ist es nötig, sich zu verteidigen.

– Die meisten Menschen hier sind froh, dass militärische Unterstützung gekommen ist. Es war der Eindruck entstanden, Mali habe gerufen „unser Haus brennt“ und die Nachbarn und Freunde hätten geantwortet „wir schauen mal, ob wir löschen helfen können, aber nicht vor September 2013“ –  so in etwa die Antwort von UNO, Afrikanischer Union und EU im Winter 2012. Es war ja wirklich utopisch zu glauben, dass die Islamisten bis dahin „warten“ würden …

– Gleichwohl ist es wichtig, weitere Verhandlungen zu versuchen und sich vor allem auf die Zeit nach der Befreiung des Nordens vorzubereiten. Es wird dann noch wichtiger sein, dass in Bamako wieder eine stabile Regierung – durch Wahlen legitimiert – das Ruder in die Hand nimmt.

— Die Kämpfe mit den Besatzern des Norden finden derzeit in der Region Mopti statt. Durch einiges Nachdenken bin ich drauf gekommen, dass es strategisch klug war, sie so weit kommen zu lassen. Weder die desolate malische Armee, noch die jetzt beteiligten ausländischen Militärs hätten in den weitläufigen Wüstengebieten des Nordens die Spur einer Chance gegen die Angreifer. Von der zwielichtigen Rolle Algeriens und Mauretaniens mal ganz abgesehen.

– In Mopti/Sevare gibt es einen strategisch wichtigen Flughafen, von wo aus offenbar jetzt die Kämpfe geführt werden. Auch ist in dieser Region mit Unterstützung durch die Bevölkerung zu rechnen, die sehr viel zahlreicher als im Norden und auch entschieden gegen Scharia und Islamisten ist. Es gibt Hinweise, dass z.B. Kundschafter der Aggressoren aufgrund von Tipps aus der Bevölkerung festgenommen werden konnten.

– Meinem Mann und unserer malischen Familie geht es gut, es wurden alle Vorbereitungen getroffen, sich notfalls in ein abgelegenes Dorf zurück zu ziehen. Da Bandiagara nur ca. 60 km von Mopti entfernt liegt, ist die Bevölkerung natürlich beunruhigt und man hört den Fluglärm vom Aeroport.

– Was mich persönlich betrifft, so habe ich einen Anschlussvertrag mit der GIZ für Burkina Faso, wohin ich voraussichtlich in den nächsten Tagen ausreisen werde. Uns wurde seitens der GIZ Mali gestern mit geteilt, dass wir in Kürze auf jeden Fall das Land Mali verlassen müssen. Ich verkaufe nun meine restlichen Möbel und packe meine Sachen, um sie nach Burkina oder Bandiagara zu schicken. Den Flugtermin werde ich sicher in Kürze erfahren.

Es gibt keinen Grund, sich um mich zu sorgen, im Rahmen der Möglichkeiten hatte ich bisher mal wieder Glück.
Weitere Infos gibt es auf meiner website, www.riedl-kassogue.de, die jetzt auch ein rss feed hat.

Wünscht bitte Mali Glück, Frieden und Gottes Segen!

Herzliche Grüße aus Bamako
und ein schönes Wochenende

Kassogué Gabriele Riedl

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