Leben und Arbeiten in Ouagadougou I

Mühen des Autofahrens

 

Einige Wochen nach meiner Ankunft ist mein Auto (unser schöner alter Familienmercedes, Hochzeitsgeschenk meines Vaters, das Auto stand über 3 Monate an der Grenze zum Senegal, bis die malischen Zollunterlagen fertig waren) endlich auch in Burkina “temporär” verzollt und angemeldet. D.h. auch, dass das alle 2 Jahre erneuert werden muss.

Verzollung

Für die temporäre Verzollung muss erstmal eine carte grise (Fahrzeugschein) erstellt werden und dafür muss ich zum Strassenverkehrsamt. Kollege Noufou, zuständig für die Logistik, begleitet mich. Vor dem Gebäude herrscht ein unglaubliches Durcheinander. Es sind Kunden, die auf ihre Dokumente warten. Und “mobile Verkäufer”, die die nötigen Wertmarken feilbieten. Merke: ohne Wertmarke (ca. 15 bis 50 Cent) kein Dokument.
Im Hof geht das Gedrängel weiter, es entpuppt sich als eine Menge, die in Schlangen für bestimmte Anliegen ansteht: Anmelden und Abmelden von Fahrzeugen, Diebstahlsanzeigen, Beglaubigungen von Fahrerlaubnissen und anderen Dokumenten.
Zum Glück kennt Noufou einen der Beamten, so dass das mit meiner carte grise recht schnell geht.

Fahrerlaubnis

Schwieriger ist dann schon mein zweiter Besuch bei dieser Behörde. Diesmal brauche ich eine Fahrerlaubnis für Ibrahim, der gelegentlich für uns (privat) als Fahrer arbeitet und für meinen Mann, denn auch er darf das Auto nur fahren, wenn ich das erlaube (!). Die Idee ist, dass man so gestohlene Fahrzeuge schneller erkennt, wer damit ohne “procuration” unterwegs ist, hat womöglich was auf dem Kerbholz.
Ibrahim begleitet mich, ich kenne jetzt sogar schon den Weg. Eine Kollegin hat mir einen Mustertext gegeben und so hoffe ich, schnell die nötigen Stempel zu bekommen. Zunächst warten wir ein halbes Stündchen in der Schlange, wo es um Beglaubigungen geht – Ibrahim und ich sind sicher, dass es das ist, was wir brauchen. Beim zuständigen Beamten angekommen, stellt sich heraus, dass es für die Fahrerlaubnisse eine eigene Schlange gibt.
Also wieder anstehen. Endlich vorne angekommen, wird mein Schreiben kritisch beäugt, einige Rechtschreibfehler konstatiert und festgestellt, dass ohne meine Passnummer darauf gar nichts geht. Ich solle doch bitte den Schrieb korrigieren und dann nochmal vorsprechen. Uff.
Dazu habe ich weder Zeit noch Lust. Heißt nämlich, zurück fahren, PC anwerfen, ausdrucken, wieder hin fahren, um 11.30h schließt die Behörde für den Rest des Tages. Es ist schon 10.45 h …
Ibrahim hat eine Lösung: Vor dem Strassenverkehrsamt ist ein winziges Häuschen, vollgestopft mit PCs, Druckern und Fotokopierern (und natürlich einer Schlange davor). Hier wird mein Dokument in korrektem Französisch abgetippt, die Passnummer eingefügt und voila, alles wieder ausgedruckt. Jetzt nur noch die Wertmarken anfeuchten, abziehen und wieder auf die neue Version kleben, 70 Cent bezahlen und ab gehts wieder in die Fahrerlaubnisschlange.
Der Beamte (natürlich in Uniform) ist beeindruckt. Er schaut das Dokument an, schaut Ibrahim an, wo ist die zweite Person, für die hier Procuration beantragt wird? „Mein Mann ist in Mali, er kommt Ende des Monats.“ Ja, dann solle er mal mit mir hier her kommen, die Personen müssen schon gesehen worden sein … oh nein, noch ein Vormittag … natürlich weiß ich, dass ein 1000 oder 2000 FCFA Schein (1,50 – 3,00 €) das Problem schnell lösen würde, aber da bin ich wiederum stur, geschmiert wird nicht!
Also schließen wir den Vorgang für Ibrahim ab und wenige Tage später veranstalte ich die gleich Prozedur noch mal mit Hamidou. Diesmal will der Vorgesetzte uns sehen, schließlich sind wir beide Ausländer! Er plaudert ein wenig mit uns über die trostlose Situation in Mali (eine gewisse Schadenfreude kann er kaum verbergen) und dann zeichnet er gnädig das Papier ab, Stempel drauf, fertig! Na also, geht doch.

Frist abgelaufen!

Noch brenzliger wurde es dann letzten Sommer, als ich den Termin für die Verlängerung der temporären Verzollung verpasste.
Irgendwann Anfang September macht mich mein Garagist (Autowerkstatt) darauf aufmerksam, dass meine Papiere für das Auto nicht mehr gültig sind. Au weia, seit Ende Juli schon! Ich hatte es völlig aus dem Blick verloren, weil ich in Deutschland war, Hamidou krank war und ich eine Menge Arbeit hatte.
Also die Papiere an Noufou, der meinte, das könne teuer werden. Am nächsten Tag ruft er mich an, druckst rum, da ahn ich schon, das wird teuer! Ja, also 120.000 FCFA (ca. 200 €) koste die Verspätung. Das kann ich nun kaum glauben, hatte die befristete Verzollung allein schon 180.000 FCFA (ca. 280 €) gekostet. Ja, wenn ich da was dran machen wolle, solle ich mit dem Intermediär Yussuf (das sind u.a. Menschen, die den Kontakt zu unliebsamen Institutionen herstellen) zum Zoll fahren und mit denen sprechen.
Gesagt, getan. Das Zollgebäude ist in Ouaga2000 und eine wirklich beeindruckende Immobilie. In das pompöse Buero des Zollbeamten, auf Kühlschranktemperatur durch eine riesige Klimaanlage gebracht, will mir Yussuf nicht folgen. Ein vier Augen Gespräch, denke ich, vielleicht gar nicht so falsch.
Ich erzähle meine Geschichte, habe mich extra schick gemacht. “Mama”, (das ist eine Ehrenbezeugung in Afrika) sagt der Zollbeamte, “ich war kürzlich in Europa. Und habe dort meinen Flug verpasst. Dadurch war mein Visum abgelaufen und es gab arge Probleme …”
“Oh”, sag ich, “ich kann nix dafür, was da in den europäischen Passbehörden passiert, tut mir sehr leid …” ich will noch ausführen, dass ich schon immer für die Öffnung aller Grenzen bin ….
“… lassen Sie mich doch ausreden” insistiert er: “die Beamten waren sehr freundlich und haben verstanden, dass es die Verspätung meines Fluges war, die zum Ablaufen des Visums geführt hat. Sie gaben mir ein Kurzzeitvisum, damit ich den Flug am nächsten Tag nehmen konnte.”
Ich schaue ihn fassungslos an. Und jetzt? “… Nun, ich dachte mir, da man zu mir so freundlich war, mache ich hier meine Unterschrift und einen Stempel drauf, damit können Sie wie mit Ihrer carte grise fahren. In wenigen Tagen ist das neue Zolldokument fertig und Yussuf kann es Ihnen dann vorbei bringen.”
“Merci beaucoup”, bringe ich grad noch heraus, bevor er mich auch schon verabschiedet und mir und meiner Familie alles Gute wünscht.
Eine Woche später halte ich mein neues Zolldokument in den Händen. Natürlich habe ich mir den Termin des Fristablaufes im Kalender notiert!
So kann es auch gehen.

Verkehrskontrolle

Um Mitternacht bin ich in Ouagadougou gelandet, bis 1.00 h dauerte es, bis das Gepäck da war und naja, bis 2.00 h hab ich noch ein Bier getrunken und am Gepäck rumgewerkelt (Käse und Schokolade müssen schnell in den Kühlschrank, sind hier teuer und von bescheidener Qualität).
Morgens fahre ich ins Buero, großes Hallo, ist immer gut, wenn eine/r wieder die Reise überstanden hat. In der Mittagspause zurück nach Hause (die Pause geht hier von 12.30 h bis 14.30 h, es lohnt sich also nach Hause zu fahren). Ich habe Hunger und fahre schnell – zu schnell!
Auf der Charles de Gaulle Avenue steht eine Blitze. Nun ja, nicht so wie in Deutschland, tatsächlich blitzt es nicht und es gibt auch kein Foto (das hatte meinen Mann sehr erstaunt, als wir mal eines in Deutschland bekamen), denn die Kamera misst nur die Geschwindigkeit, es ist kein Film drin. Man wird einfach sofort angehalten, wenn man zu schnell ist. So auch ich an diesem Mittag.
„Papiere bitte“, sagt der junge Uniformierte, „Sie sind zu schnell gefahren, kostet 12.000 FCFA“ (ca. 18 €, Standardpreis, unabhängig von der Höhe der Geschwindigkeitsüberschreitung).
„Oh tut mir leid, aber wissen Sie, ich bin heute Nacht erst aus Europa gekommen und da geht alles viel schneller und ich bin halt noch in diesem Tempo,“ versuche ich mich rauszureden. Er lacht mich an: „Mama, das ist eine schön Geschichte, nett, dass Sie wieder hier sind! Aber Sie waren eindeutig zu schnell. Sie müssen zahlen, so wie alle anderen auch.“
Tja, also dann …. Ich erhalte auch eine ordentliche Quittung.